| Artenteil |
| Varanus
mertensi GLAUERT 1951 (Mertens’ Wasserwaran) |
Varanus
mertensi ist ein Vertreter der Untergattung Varanus. Mit einer
Gesamtlänge bis 150 cm ist er innerhalb der Untergattung eher als kleine
Art anzusprechen, da in dieser Untergattung die grössten Vertreter
der heute noch lebenden Warane zusammengefasst werden. Dass V. mertensi
sehr stark an das Leben am und im Wasser angepasst ist, kann man an seinem
seitlich abgeflachten, mit einem deutlich ausgebildeten Mittelkiel versehenen
Schwanz erkennen, der etwa 1,5 mal so lang ist wie die KRL, und an der Lage
der Nasenlöcher. Diese liegen auf der Oberseite der Schnauze. Die Entfernung
zwischen Nuchalia und Augenvorderrand ist etwa doppelt so gross wie die
Entfernung zwischen Nuchalia und Schnauzenspitze. Sobald die Tiere tauchen,
werden die Nasenlöcher automatisch durch Klappen verschlossen. Die
Grundfarbe von V. mertensi ist ein dunkles Olivgrün. Einige hellgelbe,
von schwarzen Schuppen umrandete Flecken sind unregelmässig über
den Rücken verteilt. Die Kehle ist leuchtend gelb. Ein leicht bläulicher
Streifen zieht von den Oberkieferschuppen unter der Ohröffnung den
Hals entlang bis zum Schultergürtel. Die Kopfschuppen sind mässig
gross, regelmässig angeordnet und glatt. 150 - 190 Schuppenreihen sind
um die Körpermitte angeordnet. Die Schwanzschuppen sind leicht gekielt,
sie sind nicht in regelmässigen Ringen angeordnet, da die Schuppen
auf der Unterseite grösser sind als die der Oberseite. |
| Verbreitung,
Lebensraum und Lebensweise |
 Die
Verbreitung von V. mertensi erstreckt sich auf den tropischen Norden
Australiens. Sie reicht von Broome im Westen bis zur Cape York-Halbinsel
im Osten. Die Tiere sind sehr stark an Wasser, sei es stehend oder fliessend,
gebunden. Dadurch ist das Verbreitungsgebiet nicht kontinuierlich. Trotz
dieser teilweise starken Isolation einzelner Populationen variiert der Phänotypus
kaum. Eigene Beobachtungen im Biotop haben gezeigt, dass Tiere aus der Gegend
von Mt. Isa einen etwas stärker gerundeten Kopf haben als Tiere aus
dem westlichen Verbreitungsgebiet. Bisher sind aber noch keine Unterarten
beschrieben worden (MERTENS 1942d, 1958, KEAST
1959, SWANSON 1976, WORRELL
1966, BUSTARD 1968, STORR 1980,
STORR et al. 1983b, WILSON &
KNOWLES 1988, HOSER 1989, COGGER
1992, EHMANN 1992).
Im Freiland hält sich V. mertensi fast ausschliesslich im
Wasser auf. Nur gelegentlich kommen die Tiere zum Sonnen auf am Ufer liegende
Steine oder Baumstämme. Häufig liegen die Tiere in Wasserpflanzen,
um sich zu sonnen. Auch seine Ernährung ist stark an das Leben im Wasser
angepasst. Die Hauptnahrung besteht nach Mageninhaltsuntersuchungen von
SHINE (1986) aus Fischen, Krabben, Fröschen,
Insekten und deren Larven. HERMES (1981) konnte mehrere
Warane an einem Wasserloch im Kakadu National Park dabei beobachten, wie
sie Fische mit ihren Schwänzen in den flachen Teil getrieben haben,
um sie dort zu fangen und zu fressen. |
| Pflege
und Zucht |
Der
Grösse und der speziellen Anforderung entsprechend, die diese Art an
das Biotop stellt, wählen wir für die Unterbringung ein Aquarium
als Grundlage. Darüber kommt ein Aufbau aus Glas. Die Einrichtung besteht
am besten aus Styropor mit Epoxyd-Harz, die so gestaltet wird, dass es den
Tieren möglich ist, die gesamte Wasserfläche des Aquariums zu
nutzen. Das Wasser sollte eine Temperatur von 27 - 29°C aufweisen. Freilandmessungen
haben gezeigt, dass die Tiere gerne Bereiche aufsuchen, in denen diese Temperaturen
erreicht oder geringfügig übertroffen werden.
Eigene Erfahrungen bei der langjährigen Pflege haben ergeben, dass
man V. mertensi problemlos das gesamte Jahr paarweise zusammen pflegen kann.
Aggressives Verhalten untereinander konnte nie beobachtet werden. In der
Natur legen die Warane eine Ruhephase während der Trockenzeit, also
zwischen Juli und September, ein, die sie auch ohne Beeinflussung von aussen
(Änderung der Beleuchtungsdauer) im Terrarium einhalten. Da aber der
Jahreszeitenrhythmus der Südhemisphäre entgegengesetzt des Rhythmus
der Nordhalbkugel ist, verschieben sich die Aktivitäts- und Ruhephasen
kontinuierlich in unseren Winter. Dies bereitet aber keine Probleme bei
der Pflege. Man lässt die Tiere sich dem Rhythmus anpassen, der ihnen
angenehm ist. Beide Warane sollten denselben Rhythmus annehmen, da sonst
eventuell eine sexuelle Synchronisation nicht stattfindet. Wenn bei den
Partnern die Fortpflanzungszyklen nicht identisch sind, kann die Eireife
beim Weibchen schon eingesetzt haben, der Mann hat aber noch keine befruchtungsfähigen
Keimzellen aufweisen. Dadurch wäre eine Zucht nicht möglich.
Wir füttern der Grösse der Tiere entsprechend Wanderheuschrecken,
Schaben, Mäuse, Fische und gelegentlich Süsswasser-Krabben.
Die erste beschriebene Nachzucht ausserhalb Australiens gelang in der Stuttgarter
Wilhelma (BROTZLER 1965). In den letzten Jahren ist
die Zucht von V. mertensi im Terrarium mehrfach gelungen. Nachzuchten
bis zur F2-Generation sind schon geglückt (EIDENMÜLLER
& WICKER 1995). Allerdings brauchen diese wunderschönen
Warane grössere Terrarien, um ihren Lebensgewohnheiten nachgehen zu
können (s.o.). Sind beide Eltentiere sexuell aktiv, beginnt meistens
ein Werben des Männchens um das Weibchen. Diese Aktivitäten können
sehr turbulent verlaufen, wenn das Weibchen nicht paarungswillig ist. Die
eigentlichen Paarungsaktivitäten beginnen im Wasser. Die Kopulation
kann sowohl unter Wasser als auch auf dem Landteil erfolgen. In der Regel
findet nur eine Paarung während einer Fortpflanzungsperiode statt.
Bei anderen Arten beträgt die Zeit zwischen Paarung und Eiablage ungefähr
sechs Wochen. Bei den V. mertensi, die ich seit längerem pflege,
beträgt diese Zeit jeweils exakt 22 Tage. Um dem Weibchen etwas Ruhe
vor der Eiablage zu gönnen und um zu vermeiden, dass das Männchen
die gerade abgelegten Eier fressen kann, setzen wir das Männchen in
ein anderes Terrarium. Sobald das Weibchen die Eier abgelegt hat, nehmen
wir die Eier aus dem Terrarium und inkubieren sie in mit feuchtem Vermiculite,
bzw. Perlite, vorbereiteten Schalen in einem Inkubator. Die Bruttemperatur
stellen wir auf 27 - 29°C ein.
Nach
einer Inkubationszeit von 193 - 327 (Mittelwert 275) Tagen schlüpfen
die Jungwarane. Sie messen beim Schlupf etwa 30 cm, wobei 18 cm auf den
Schwanz entfallen und wiegen im Durchschnitt 29 g. Sie sind ein genaues
Abbild ihrer Eltern, jedoch noch kontrastreicher gezeichnet. Bei der Aufzucht
können wir darauf verzichten, sie einzeln unterzubringen. Bisher hatte
ich keine Ausfälle bei der Vergesellschaftung der Jungtiere eines Geleges,
obwohl die Zeitigungsdauer und damit auch die Grösse der Tiere doch
gelegentlich sehr unterschiedlich war. Das Terrarium sollte ähnlich
aufgebaut sein wie das der Elterntiere. Ein grosses Wasserbecken, am besten
ein Aquarium, ist sehr wichtig. Futter nehmen die Jungen nach ca. 5 Tagen
an. Wir bieten ihnen Grillen, Heimchen, Schaben, Larven des Grossen Schwarzkäfers
(Zophobas morio), Fische und kleine Süsswasserkrabben. Die
Insekten pudern wir vor dem Verfüttern immer mit einem Vitamin-Mineral-Gemisch.
Bei dieser Diät wachsen die Jungtiere problemlos und erreichen nach
3 - 4 Jahren die Geschlechtsreife. |
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