Artenteil
Varanus gilleni LUCAS & FROST 1895 (Gillens Zwergwaran)
Varanus gilleni ist ein Baumwaran aus der Untergattung Odatria. Die Färbung des Rückens ist braun, an den Seiten tendiert sie nach grau. Eine Anzahl schmaler, dunkelrotbrauner Querstreifen verlaufen unregelmässig über den Rücken. Häufig sind hellgraue Schuppen in diese Bänder eingelagert. Kopf und Gliedmassen sind graubraun mit dunkelbraunen Flecken und einem Netzmuster. Der Schwanz ist grau mit einigen dunkelbraunen Schuppen, die schmale Bänder bilden können. In der hinteren Hälfte bilden diese Flecken mehrere Längsstreifen. Die Färbung der Unterseite ist weiss mit zahlreichen grauen Flecken, ganz besonders auf der Kehle. Die Kopfschuppen sind klein, unregelmässig und glatt. 90 - 125 Schuppenreihen sind um die Körpermitte angeordnet. Das Nasenloch steht seitlich, es ist etwa in der Mitte zwischen Schnauzenspitze und Auge gelegen. Der Schwanz ist mehr oder weniger rund im Querschnitt ohne Anzeichen eines Kiels. Die Länge ist etwa 1,4 mal die KRL. Die GL beträgt bis 35 cm.
Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise
auf das Bild klicken um die Karte zu vergrössernDie Verbreitung von V. gilleni erstreckt sich von der Eighty Mile Beach in West Australien über das Zentrum bis an die Grenze nach Queensland. Im Süden reicht die Verbreitung bis nach Quorn in Süd-Australien. Ähnlich V. caudolineatus, an den er in seinem Habitus stark erinnert, den er aber in der Grösse deutlich übertrifft, ist diese Waranart sehr stark an das Vorhandensein der Wüsteneiche (Casuarinae) gebunden. Man kann V. gilleni dort unter loser Rinde teilweise abgestorbener Bäume finden (MERTENS 1942d, 1958, KEAST 1959, WORRELL 1966, BUSTARD 1968, SWANSON 1976, WILSON & KNOWLES 1988, HOSER 1989, STORR 1980, STORR et al. 1983b, COGGER 1992, EHMANN 1992). Er jagt dort vermutlich Kerbtiere, kleine Geckos und Skinke (LOSOS & GREENE 1988).
Pflege und Zucht
Um diese Waranart artgerecht zu pflegen, bieten wir einem Paar ein Terrarium, das für Baumwarane konzipiert wurde, d.h. die Höhe ist bei deren Halung wichtiger als die Grundfläche. Die weitere Einrichtung entspricht der, die bei der Haltung von V. caudolineatus angegeben ist. V. gilleni lebt aber nicht so versteckt, wie sein kleinerer Verwandter. Im Terrarium kann man ein Paar das ganze Jahr zusammen halten. Eine gelegentliche Trennung während des australischen Winters, also in der Zeit von Mai bis September, ist aber auch hier vorteilhaft.
Die Zucht bis zur F2-Generation dieses Warans ist in Deutschland schon mehrfach gelungen (HORN 1978, EIDENMÜLLER 1994, EIDENMÜLLER& WICKER 1996). Paarungen laufen nach dem typischen Verhaltensmuster der Warane ab. Die Geschlechter sind nicht aggressiv gegeneinander. Wie bereits oben erwähnt, ist es von Vorteil, die Tiere gelegentlich zu separieren. Auch vor der Eiablage sollte man das Männchen aus dem Terrarium entfernen, um dem Weibchen die Möglichkeit zu geben, in Ruhe die Eier abzulegen. Die Gelegegrösse beträgt bei V. gilleni zwischen 2 und 4 Eiern. Nach einer Inkubationszeit von ca. 100 Tagen bei einer Temperatur zwischen 27 und 29°C schlüpfen die Jungtiere. Die Aufzucht bereitet keine Probleme. Wir bieten als erstes Futter kleine Heimchen, Grillen und Schaben an, die immer mit Vitamin-Mineral-Pulver bestäubt werden. Die Jungwarane eines Geleges kann man problemlos in den ersten Monaten gemeinsam aufziehen. Sobald man die Geschlechter unterscheiden kann, oder wenn Schwierigkeiten beim Fressen auftreten, werden die Tiere sofort getrennt und in Einzelterrarien aufgezogen. Damit vermeidet man Verluste durch Beissereien oder Stress.
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