Artenteil
Varanus acanthurus BOULENGER 1885 (Stachelschwanzwaran)
Unterarten: V. a. acanthurus BOULENGER 1885
V. a. brachyurus STERNFELD 1919
V. a. insulanicus MERTENS 1958
from Tom Price, WAVaranus acanthurus ist ein mittelgrosser Waran aus der Untergattung Odatria, der eine Gesamtlänge (GL) von 60 - 70 cm erreichen kann. Die Rückenzeichnung besteht aus einem dunkelbraunen Netzmuster, das aus zahlreichen kleinen bis mittelgrossen dunklen bis leuchtend gelben Punkten, Linien oder Ozellen gebildet wird. Die Ozellen haben meistens 1 - 2 dunkle Zentralschuppen. Der Kopf ist braun, unterbrochen von gelben oder cremefarbigen Flecken, die oft in Längsstreifen über dem Nacken verlaufen. Ein dunkelbrauner Streifen verläuft seitlich des Kopfes durch das Auge und setzt sich bis auf die Halsregion fort. Er wird begrenzt durch hellgelbe Streifen oder Reihen gelber Flecken. Ein weiterer gelber Streifen zieht sich vom Unterkiefer bis zum Hals. Der Schwanz ist dunkelbraun mit in Ringen angeordneten Schuppen, die hellbraun bis gelb gefärbt sind. Die Farbe der Unterseite ist weiss oder cremefarben. Die Kopfschuppen sind klein und glatt. Das Nasenloch ist seitlich angeordnet und steht in der Mitte zwischen Auge und Schnauzenspitze. 70 - 150 glatte Schuppenreihen sind um die Körpermitte angeordnet. Der Schwanz ist mehr oder weniger rund im Querschnitt, oder nur leicht zusammengepresst, ohne einen Kiel auf der Oberseite. Länge etwa 1,3-2,3 mal so lang wie KRL, die Schuppen seitlich und auf der Oberseite sind stark stachelig ausgezogen. Beim Männchen sind am Schwanzansatz seitliche Postanalschuppen dornig ausgebildet.
Bei der Unterart V. a. brachyurus ist die relative Schwanzlänge im Vergleich zu den übrigen Unterarten geringer und erreicht hier nur das etwa 1,5fache der KRL.
Bei den melanistischen V. a. insulanicus ist die Ozellenzeichnung auf dem Rücken sehr intensiv.
Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise
auf das Bild klicken um die Karte zu vergrössernDie Verbreitung von V. acanthurus erstreckt sich auf den Westen, Norden und das Zentrum Australiens, sowie auf einige der Nordküste vorgelagerte Inseln (V. a. insulanicus auf Groote Eylandt). Sie reicht von Carnarvon im Westen bis nach Mt. Isa im Osten. Das Vorkommen der Nominatform erstreckt sich auf den westlichen Teil des Verbreitungsgebietes, von der Westküste bis etwa nach Broome, während V. a. brachyurus das Zentrum und den östlichen Teil des Verbreitungsgebietes bewohnt (MERTENS 1942d, 1958, KEAST 1959, WORRELL 1966, BUSTARD, 1968, SWANSON 1976, STORR 1980, STORR et al. 1983b, WILSON & KNOWLES 1988, HOSER 1989, COGGER 1992, EHMANN 1992). Stachelschwanzwarane leben bevorzugt in Gebieten mit verstreuten kleineren Felsansammlungen, zwischen deren Spalten sie sich bei Gefahr zurückziehen. Mit ihrem Schwanz können sie sich dort verkeilen und sind so für Beutegreifer nicht mehr zu erreichen.
Pflege und Zucht  
Varanus acanthurus ist der in Deutschland am häufigsten geflegte Waran. Er ist ein typischer Vertreter der bodenbewohnenden Warane aus den Trockengebieten Australiens. Aus diesem Grund halten wir die Tiere paarweise in einem Terrarium, das eine möglichst grosse Grundfläche aufweist. Die Höhe des Behälters ist bei diesen Tieren von untergeordneter Bedeutung. Sie sollte aber so bemessen sein, dass die Tiere auch ein wenig klettern können. Dies kann man mit der Rück- und Seitenwandgestaltung in Terrassenform gut ermöglichen. Als Bodengrund empfiehlt sich Sand, der an einer Stelle feucht zu halten ist. Vorteilhaft ist es, den Waranen einen Schlupfkasten mit feuchtem Substrat anzubieten. Er wird nicht nur zur Eiablage, sondern auch als Versteck genutzt. Durch die Feuchtigkeit, die die Tiere dort aufnehmen, werden auch die Häutungen besser erfolgen. Das Problem, dass die Warane gerade an den Zehen in der alten Haut strecken bleiben, und die Zehen dann absterben, kann mit dieser Einrichtung häufig vermieden werden.
Obwohl die Haltung des Stachelschwanzwarans als unkompliziert gilt, sollten die Tiere nur paarweise gehalten werden. Auch die Vergesellschaftung von 1 Männchen mit 2 bis 3 Weibchen kann für einige Zeit komplikationslos sein. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass während der Paarungszeit auch Rivalitäten unter den Weibchen auftreten können. Mehrere Männchen dürfen nie zusammen in einem Terrarium gepflegt werden.
Aus oben genannten Gründen, besteht eine Zuchtgruppe meist aus einem Paar, das man das ganze Jahr zusammen pflegen kann. Es empfiehlt sich aber, gelegentlich die Geschlechter zu trennen und eventuell zu überwintern. Dabei sollte man sich an dem Jahreszeitenrhythmus orientieren. Bei Wildfängen empfiehlt es sich, den Rhythmus der Südhalbkugel beizubehalten; Nachzuchten gewöhnen sich gut an die Jahreszeiten der Nordhalbkugel. Während der Ruheperiode belässt man die Tiere man am besten in ihrem angestammten Terrarium. So können die Warane eine Ruhephase von vier bis acht Wochen einlegen. Anschliessend wecken wir die Tiere wieder auf, indem wir zuerst die Beleuchtungsdauer erhöhen. Die Temperatur wird gleichzeitig erhöht. Nach dieser Ruhephase müssen wir darauf achten, dass die Warane wieder zu fressen beginnen.
Sind die Warane in Paarungsstimmung, was man daran erkennt, dass das Männchen das Weibchen ununterbrochen züngelnd verfolgt, ist es besser, die Tiere nicht unnötig zu stören. V. acanthurus kann sehr aggressiv bei der Paarung sein. Achten Sie deshalb darauf, dass das Weibchen nicht zu sehr verletzt wird. Falls dies der Fall sein sollte, trennt man die Tiere sofort. Dass die Paarung erfolgreich verlaufen ist, kann man nach einiger Zeit (4 Wochen) daran erkennen, wenn die Leibesfülle des Weibchens zunimmt.
Die Gelegegrösse bei V. acanthurus beträgt in den meisten Fällen zwischen 5 und 12 Eiern. RETES (pers. Mitt.) gibt Gelegegrössen bis 18 Eier an. Die Eier sind ca. 25 mm lang und haben einen Querschnitt von 13 mm. Die Masse beträgt ungefähr 3 - 4 g. Inkubiert werden die Eier in Vermiculite oder Perlite. Die Temperatur sollte zwischen 27 und 30°C liegen. Nach ungefähr 120 Tagen schlüpfen die Jungtiere, die eine Gesamtlänge von 12 cm und ein Gewicht von 3,5 g haben (ERDFELDER 1984, JAUCH 1984, THISSEN 1991, 1992, 1993, WICKER 1993, EIDENMÜLLER 1994, WICK 1996).
Die Aufzucht der Jungwarane sollte keine Probleme aufwerfen. Sie werden am Anfang gemeinsam im Terrarium gepflegt. Die Einrichtung ist ähnlich wie bei den Elterntieren. Als Futter bieten wir den Tieren kleine Grillen, Heimchen und Schaben an, die immer mit einem Vitamin-Mineral-Pulver gepudert werden, an.
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