Ernährung
Alle Warane ernähren sich carnivor, d.h. sie sind Fleischfresser. Einzig Varanus olivacaeus und die erst kürzlich neu beschriebene Waranart V. mabitang, beide von den Philippinen, ernähren sich von Früchten (AUFFENBERG 1988, GAULKE & CURIO 2001). Zum normalen Futterspektrum der Warane gehören, je nach Grösse der Tiere, Insekten, Spinnentiere, Krebstiere, Fische, Amphibien, Reptilien, Eier, Vögel und Säugetiere. In der Natur wurde häufig beobachtet, dass Warane, insbesondere V. niloticus und V. g. gouldii, gezielt Gelege von anderen Waranarten oder Krokodilen aufspüren und die Eier aus dem Nest fressen (BAYLESS 1992c, LENZ 1995). Besonders wählerisch in der Art des Futters sind sie nicht. Sie schrecken auch nicht davor zurück, einen kleineren Artgenossen zu verspeisen, wenn sie seiner habhaft werden können. Da die Grössen der einzelnen Waranarten sehr unterschiedlich sind, ist auch das Futterspektrum sehr variabel. Die Vertreter der kleineren Arten ernähren sich in der Natur hauptsächlich von Insekten und kleineren Reptilien, während grosswüchsige Arten auch entsprechend grössere Futtertiere überwältigen können. So gehören zum Beutespektrum von V. komodoensis auf Komodo nicht nur die dort vorkommenden Schweine, Hirsche und verwilderten Haustiere, sondern auch der Mensch kann zum Opfer eines Waranangriffs werden. Zahlreiche Magenuntersuchungen an freilebenden Waranen geben Information, welche bevorzugte Nahrung von den einzelnen Tieren aufgenommen wird (JAMES et al. 1992, LOSOS & GREENE 1988, PIANKA 1968, 1969a, b, 1970a, b, c, 1982, SPRACKLAND 1993b, ZIEGLER & BÖHME 1996, GAULKE & CURIO 2001).
V. pilbarensis V. gilleniIm Terrarium lässt sich diese Nahrungsvielfalt kaum anbieten. Als Ersatznahrung für kleinere Spezies bieten sich Grillen und Heimchen, Wanderheuschrecken, Schaben und Larven des Schwarzkäfers an. Gelegentlich angebotene nestjunge Mäuse erweitern den Speiseplan. Da aber die Nahrung in der Natur eine ausgewogene Mischung an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen enthält, ist es unbedingt notwendig, diese Verhältnisse bei der Terrarienhaltung der Tiere so weit als eben möglich nachzuempfinden. Es empfiehlt sich deshalb, alle zu verfütternden Insekten mit einem Vitamin-Mineralstoff-Gemisch zu bestäuben. Als Beispiel sei an dieser Stelle Korvimin ZVT® genannt, aber auch jedes andere Präparat mit ähnlicher Zusammensetzung kann verwendet werden. Es sollte immer nur so viel Futter angeboten werden, wie die Warane in kürzester Zeit fangen und fressen können, andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die Futtertiere, speziell Grillen und Schaben, in der Dekoration verstecken und von den Waranen nicht mehr erbeutet werden können. Die Insekten können dann auch zu einer Gefahr werden, da sie nachtaktiv, die Warane hingegen tagaktiv sind. Mir ist bisher zwar noch kein Fall bekannt geworden, dass Grillen gesunde Warane angefressen haben, aber das Risiko ist speziell bei Jungtieren vorhanden und jeder verantwortungsvolle Terrarianer sollte es bedenken.

Bei Waranarten, die grösser werden, kann man mit der ausschliesslichen Fütterung von Insekten den Futterbedarf nicht mehr auch nur annähernd decken. In diesem Fall werden überwiegend Mäuse und gelegentlich Küken verfüttert. Bei der Fütterung mit Küken ist darauf zu achten, dass der abgesetzte Kot sehr dünnflüssig ist und unangenehm riecht. Man wird aus hygienischen Gründen das Terrarium danach umgehend säubern müssen. Die oben genannten Futtertiere sollten mit Vitaminen und Mineralien angereichert werden. Um eine unnötige Tierquälerei zu vermeiden, werden sie nur tot angeboten. Diese Methode vereinfacht auch die Verabreichung der Futterzusätze. Man kann flüssige Präparate, z.B. Tricrescovit® oder Multimulsin®, mit einer Spritze und Kanüle in das Futtertier injizieren. Bei jeder zweiten bis dritten Fütterung sollte man der toten Maus oder der toten Ratte etwa 0,5 bis 1 ml Tricrescovit® injizieren. Multimulsin® kann man in der gleichen Dosierung verabreichen. Bei diesen Vitamingaben traten bei langjähriger Haltung bisher noch keine sichtbaren Nebenwirkungen auf. Von einer Fütterung mit Katzen- oder Hundefutter aus der Dose kann nur abgeraten werden, da in diesen Futtersorten zwar sehr viel Protein enthalten ist, aber die Versorgung mit Ballaststoffen auf ein Minimum reduziert ist.